Prolog


von H.-P. Keller

Nach einem 11 ½ stündigen, recht turbulenten Flug betrete ich erstmalig kubanischen Boden. Historisch betrachtet vor Barack Obama, vor den Rolling Stones und vor Karl Lagerfeld. Zugegeben, Papst Franziskus war einige Monate vor mir hier. 

Ich fühle mich müde und körperlich angeschlagen, die Klimaanlage an Bord hat mir den Rest gegeben. Das fängt ja gut an.

Es ist spät in der Nacht, als ich in meinem Hotel in der Altstadt Havannas endlich ankomme. Erschöpft sinke ich ins Bett. Was für eine Strapaze, ...morgen früh würde ich Miriam Martinez persönlich kennenlernen. Seit Wochen bereite ich mich auf meine Havannareise vor und bin in zwei Kuba-Foren auf diese ältere Dame gestoßen, die von vielen Reisenden als kompetente Kontaktperson vor Ort empfohlen wird. Miriam war vor Jahren noch Dolmetscherin in Staatsdiensten und versucht jetzt durch Vermietung von Privatzimmern an Urlauber, ihre bescheidene Rente aufzustocken. Sie spricht und schreibt ein gutes Deutsch. Gelernt hat sie es in Deutschland, in Dresden und Berlin hat sie studiert. Ich habe den Kontakt zu Ihr per E-Mail aufgebaut und ihr mein Vorhaben in Havanna, abseits vom eigentlichen Tourismus zu fotografieren geschildert. Sie schreibt, meinen Wunsch, nach einem persönlichen Guide kann sie erfüllen.

Pünktlich, um 10 Uhr, wie verabredet, betritt Miriam, eine relativ hellhäutige Kubanerin Mitte siebzig mit einer roten Jacke bekleidet die Hotellobby. Sie hat dieses Kleidungsstück als Erkennungszeichen gewählt. Obwohl, ich hätte sie auch so, von den Fotos auf ihrer Homepage, sofort erkannt. „Hans, Du machst schöne Fotos, die mir sehr gefallen. Ich sorge dafür, das ein, zu Dir passenden, deutsch sprechender Kubaner, Dich in den Straßen von Havanna begleitet, vielleicht sogar auch Zwei.“
Die sofort spürbare, gegenseitige Sympathie gibt dem Kennenlernen eine vertraute Basis. Ihre Einladung zu einem kleinen Rundgang nehme ich gerne an.

Der erste Eindruck der Altstadt ist laut und von staubigen Straßenbauarbeiten geprägt. Es ist windig und weder den erwarteten blauen Himmel, noch die karibische Sonne bekomme ich zu Gesicht. Ok, es ist der 08. Februar, aber das sich diese Wetterlage, während meines gesamten Inselaufenthaltes nicht ändern wird, weiß ich zu diesem Zeitpunkt nicht. Unser kleiner Spaziergang führt uns durch die Altstadt und endet in einem frisch renovierten Café-Bistro, dessen Geruch von frisch gerösteten Bohnen meine Nase schon in einiger Entfernung wahrnimmt.

Der Kaffee ist wirklich köstlich und wir unterhalten uns über meine Motivation hierher zu kommen. Sie erzählt mir über ihr Deutschland und lobt meine Fotos, die Sie von mir auf meiner Webseite gesehen hat. Ich beschreibe ihr, welche Art von Aufnahmen ich von ihrer Stadt machen möchte und wir verabreden uns auf weiteres. Am Nachmittag lerne ich meine beiden Begleiter Faustino und Lester seinen Sohn kennen. Faustino ist ein paar Jahre älter als ich, sein Sohn ist gerade die Hälfte alt.
 Sie wollen mir ihre kubanische Hauptstadt, aus zwei Generationswinkel zeigen, ich bin sehr gespannt.

Es werden wundervolle Tage mit schönen Erlebnissen und dem Beginn einer herzlichen, außergewöhnlichen Freundschaft, letztendlich durch Miriam’s Engagement.

 


 

Epilog

von Faustino De Jesus Zamora Vargas

Ich denke, Havanna überraschte ihn mit seinen liebenswürdigen Menschen, den alten Autos der 50er Jahre und der erstaunlichen Architektur, in der die verschiedensten Baustile verschmelzen.

Als ich Hans in Havanna begegnet bin, hätte ich nie gedacht, dass wir in nur wenigen Tagen gute Freunde werden.  Er ist nicht nur ein ausgezeichneter Fotograf, sondern auch ein Künstler mit einer feinen und exquisiten menschlichen Empfindlichkeit.  Mit seinem Gespür und seiner der Kamera entwickelt er eine unglaubliche Sicherheit, nicht nur die verführerische Verspieltheit der kubanischen Frauen einzufangen, sondern auch das unbeschwerte Lachen der Kinder.  Mit seiner Offenheit näherte er sich dem alten Kubaner, der am helllichten Tag sein altes 50er Jahre Auto auf dem Gehsteig repariert, damit es sich wieder durch die Straßen von Havanna bewegt.  Hans ist auch ein virtuoser Fotograf. Mit seiner zarten und künstlerischen Art, hat er den eigenen Zauber Havannas, einer vielfarbigen karibischen Stadt, in authentisch schöne S/W Bilder verwandelt.

Der Unterschied zwischen ihm und anderen Fotografen, die heute Havanna besuchen ist die Aufrichtigkeit, mit der er seine Arbeit macht:  Es geht ihm nicht nur um das alte Auto, sondern um die Hände, die das Auto trotz des Verfalls “am Leben” erhalten.  Es geht ihm nicht nur um die schmutzige Straße der Altstadt, sondern auch um das kubanische Lebensgefühl und das immerwährende Bestreben, die Schönheit dieser Stadt fotografisch zu sichern.

Mit Hans teilte ich in Havanna Essen und Trinken (einige Bierchen) und persönliche Erfahrungen, John Lennon, die Musik und die Düfte der Tropen, aber vor allem und darüber hinaus die Freundschaft.

Ich schätze das Privileg, ihn in meiner Stadt kennengelernt zu haben. Dank ihm, habe ich die “wahren Farben” einer immer fröhlich, solidarisch und menschlich wirkenden Stadt wiederentdeckt. Ich habe von ihm gelernt und eine neue Perspektive und Motivation gefunden, auch mit meiner Kamera eine wunderbare, meine Fotografie zu gestalten.